Das Sieben-Gänge-Menü ist zur Ansicht schon aufgereiht. Unter den Tellern hängen weiße Klebezettel mit Symbolen und Notizen in französischer Sprache. Weiß ist auch die große Mütze von Jean Brouilly, Französisch die Muttersprache des Kochs, dessen Restaurant einen Stammplatz in allen wichtigen kulinarischen Führern des Nachbarlandes innehat. Für jenes Menü - vom Kräuterquark auf Johannisbeergrütze bis hin zur mit Zitronenverveine angebratenen Birne - lenkt er mit Küchenchef Stefan Gussek vom Hotel & Restaurant "Zur Alten Schmiede" die Kreativität der Kochkollegen in die richtigen Bahnen.
Das kulinarische Mammutprogramm ist festlicher Auftakt der Schlemmerwochen Kulinarium "Gastlich Saale-Unstrut", zu dem 90 Gäste wie Inhaber der 15 teilnehmenden Gasthäuser und Vertreter des Weinbauverbandes geladen sind. Der Abend steht dabei unter der Überschrift "Saale-Unstrut trifft Frankreich" und stellt vor allem für die insgesamt sechs Köche der hiesigen Häuser eine große Herausforderung dar.Vor allem auf sprachlicher Ebene. "Es tut mir leid, dass ich kein Wort Deutsch kann, dafür spreche ich Französisch umso besser", scherzt der Maître und Träger der Medaille "Ritter des Ordens National du Mérite". Deshalb ist Melanie Albrecht, Inhaberin des Parkhotel "Güldene Berge" Weißenfels, ebenfalls Stammgast in der Küche, um für die Köche zu dolmetschen. Sie hat den Besuch des Starkochs eingerührt und kann erklären, was Wochen vor dem Abend geschah: "Jean Brouilly erhielt insgesamt 20 Weine, von denen er acht für das Menü aussuchte. Wir haben ihn zudem all jene heimischen Produkte genannt, die wir derzeit frisch besorgen können." Zwei Tage vor dem Menü habe der Franzose zudem begonnen, die einzelnen Speisen auszuprobieren.
Doch nicht nur am Schmiede-Herd absolvieren die Vertreter der weißen Zunft einen Kraftakt, zwischen Küche und Festsaal wirbeln insgesamt 17 Servicekräfte unter der Leitung von Enrico Beyer vom Berghotel "Zum Edelacker". Nahezu auf jede Bewegung abgestimmt, servieren die Kellner die Speisen und füllen die Gläser der Gäste nach. "Es ist eine große Leistung, das gesamte Team aus den verschiedenen Häusern unter einen Hut zu bringen", betonte Gastgeber Hardy Hanschke. Tourismuschefin Andrea Meyer hofft jedoch nicht nur auf einen gelungenen Auftakt der Schlemmerwochen Die kommenden Tage bis zum 30. November sind ebenso entscheidend. "Die Testphase im letzten Jahr lief nur mäßig. Wir wollen das Genussthema innerhalb des Tourismus in der Region voranbringen, denn kulturinteressierte Gäste wollen auch toll einkehren", sagt Andrea Meyer.
Gegen Mitternacht erhalten die Köche und das Service-Personal nicht nur ein wörtliches Lob wie jenes von Henri Cames vom Französischen Fremdenverkehrsverein, sondern zudem einen kräftigen Applaus der Gäste.