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Der Naumburger Dom gehört nun endgültig zum Welterbe der Menschheit. Das UNESCO-Welterbe-Komitee hat dies am 1. Juli 2018 in seiner 42. Sitzung in Bahrain beschlossen.

Die 21 Mitglieder des Gremiums folgten nach einer ausführlichen Diskussion damit einem Antrag des Karibik-Staates St. Kitts und Nevis, dem sich weitere Staaten wie Ungarn, Tansania, China, Kuweit und Zimbabwe anschlossen. Der deutschen Delegation, die den Naumburger Antrag in Bahrain vertrat, gehörten auch Landrat Götz Ulrich, der Stiftsdirektor der Vereinigten Domstifter, Dr. Holger Kunde, und der Geschäftsführer des Vereins Welterbe an Saale und Unstrut, Roland Thrän, an.

Die Nachricht wird von der Delegation in Bahrain, in Naumburg und der Saale-Unstrut-Region mit großer Freude und Erleichterung zur Kenntnis genommen.

Landrat des Burgenlandkreises und Vorstand des Fördervereins Welterbe, Götz Ulrich: "Die Anerkennung ist eine wunderbare Mannschaftsleistung von Bund, Land und unserem Förderverein Welterbe. In Bahrain gab es ein Auf und Ab der Gefühle, aber jetzt ist alles gut. Oft musste ich an Curt Becker denken. Er hätte sich heute mit uns gefreut. Für mich als Landrat kommt es nun darauf an, dass der Burgenlandkreis etwas von der Strahlkraft unseres Domes abbekommt und auch andere kulturtouristische Orte von der Entscheidung profitieren können."

Stiftsdirektor Dr. Holger Kunde: "Die Aufnahme des Naumburger Doms in das UNESCO-Welterbe erfüllt mich mit großer Freude und Stolz. Ein langwieriger Prozess ist heute erfolgreich abgeschlossen worden. Das Hauptwerk des Naumburger Meisters hat damit endlich die ihm gebührende internationale Anerkennung gefunden. Ich danke allen, die zu diesem hervorragenden Ergebnis beigetragen haben, sehr herzlich."

Dechantin der Vereinigten Domstifter und Vorsitzende des Fördervereins Welterbe, Professorin Dr. Karin von Welck: "Die Vereinigten Domstifter sind sehr glücklich, dass es nun endlich Wirklichkeit wird, wofür wir und viele andere mit uns seit Jahren gekämpft haben: Die offizielle Anerkennung des Naumburger Doms als Weltkulturerbe der Menschheit. Mit dieser Eintragung in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes haben wir ein Ziel erreicht, dass uns seit Jahren in Anspruch genommen hat und von dem aus wir nun eine ganz neue nationale und internationale touristische Qualität und Beachtung für unsere wunderschöne Saale-Unstrut-Region entwickeln können. Unser großer Dank geht an alle, die mit uns diesen wichtigen Tag vorbereitet und mit uns der Entscheidung in Bahrain entgegengefiebert haben."

Oberbürgermeister der Stadt Naumburg, Bernward Küper: "Ich bin bewegt und erleichtert. Nach dem positiven Votum der Kommission 2017 in Krakau waren wir zwar zuversichtlich, aber nun haben wir endlich Gewissheit. Der Titel ist für uns eine große Ehre, und wir sind uns der Verantwortung und der Verpflichtung bewusst, die er mit sich bringt. Unser Dank gilt allen Unterstützern im Haupt- und Ehrenamt, die unseren Antrag über die vielen Jahre unermüdlich begleitet und unterstützt haben. Der Einsatz hat sich gelohnt. Nun werden wir, beflügelt von der Entscheidung, konsequent weiterarbeiten."

Geschäftsführer des Fördervereins Welterbe, Roland Thrän: "Große Freude und
Erleichterung über die Entscheidung des UNESCO-Komitees. Es hat sich ausgezahlt, dass wir nach dem ersten negativen Gutachten im Jahre 2015 durch ICOMOS ohne Irritationen beharrlich an unserem Ziel weitergearbeitet haben. Der Erfolg gibt uns Recht."

Schönstes Gesicht des Mittelalters im Bauwerk von Weltrang

Herzstück der Burgen- und Weinregion zwischen Leipzig und Weimar ist der imposante Naumburger Dom St. Peter und Paul. Er gehört mit seinen zwölf Stifterfiguren im Westchor zu den bedeutendsten Bauten des europäischen Hochmittelalters und kann sich nun bald mit dem Welterbetitel schmücken. Ein unbekannter Künstler schuf Mitte des 13. Jahrhunderts für diese Zeit ungewöhnlich natürlich aussehende, ausdrucksstarke Figuren. Uta von Naumburg, die berühmteste Stifterfigur, gilt als „schönste Frau des Mittelalters“. Ihr Gesicht tauchte auf unzähligen kunsthistorischen Publikationen auf und war Vorbild für die böse Königin im Disneymärchen „Schneewittchen“.

Einmalig sind auch die älteste Steinskulptur der Heiligen Elisabeth von Thüringen, die auf etwa 1235 datiert wird, und die von Lucas Cranach geschaffenen Altarflügel aus dem 16. Jahrhundert. Lohnenswert ist der Aufstieg über 200 Stufen zur Aussichtsplattform des Nord-West-Turmes. Von oben bietet sich ein unverstellter Blick auf die Altstadt und die malerische Umgebung.

Mittelalterliche Musik hinter dicken Burgmauern

Um den Naumburger Dom erstreckt sich eine sehenswerte Kulturlandschaft aus Weinbergen, Burgen und Schlössern entlang der Flüsse Saale und Unstrut. Nur wenige Kilometer westlich hoch über dem Winzerstädtchen Freyburg erhebt sich das mächtige Schloss Neuenburg. Vor 1000 Jahren war es herrschaftlicher Repräsentationsort Thüringer Landgrafen und Zentrum mittelalterlich-höfischer Kultur. Zusammen mit der Freyburger Stadtkirche St. Marien ist es heute Spielstätte für Europas bedeutendstes Festival mittelalterlicher Musik: montalbâne. Vokal- und Instrumentalensembles verschiedener Nationen entführen das Publikum jeden Sommer für drei Tage in eine andere Zeit.

Jahrhundertealte Weinbautradition im Kloster

An der Saale südlich von Naumburg liegt das ehemalige Zisterzienserkloster Pforte von 1137. Es entwickelte sich schnell zu einem der reichsten Klöster Ostthüringens. Heute liegt es in Sachsen-Anhalt und beherbergt die Landesschule zur Begabtenförderung. Die Mönche trugen einen wesentlichen Anteil am Aufschwung in der Region bei. So bauten sie einen Kanal zur Wasserversorgung, der zudem mehrere Mühlen betrieb. Auch den Weinbau brachten die Mönche nach Saale-Unstrut. Bereits 998 schenkte Kaiser Otto III. Weinberge an das Kloster Memleben, richtig aufgerebt wurde mit der Gründung des Klosters Pforte. Auf dem Pfortenser Köppelberg wird heute noch Wein nach altem Wissen und naturnahen Methoden angebaut. Das Landesweingut Kloster Pforta lädt regelmäßig zu Weinbergwanderungen in die sonnenverwöhnten Lagen und zu Weinproben in die historischen Keller. Weinliebhaber können sich zudem als Winzer für einen Tag ausbilden lassen.